Wie wollen wir leben?

Der LWL geht einen neuen, innovativen Weg, seinen Geschäftsbericht mal anders der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die aktuelle Ausgabe mit dem  Schwerpunktthema „ Wohnen“  zeigt anhand vieler Beispiele und Fakten, dass es mit einfacher Technik, schlauen Konzepten und engagierten Menschen möglich ist, dass auch schwerstmehrfach Behinderte selbständig wohnen können.

 

Zu diesem spannenden Dossier hat auch der Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im LWL, Holm Sternbacher, seine Gedanken beigetragen.

Interview von Holm Sternbacher lesen

 

Bitte werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die ideale Wohnform für einen älteren Menschen mit Behinderung vor?

Ideal wäre es, wenn man im Alter möglichst lange in seinem gewohnten Umfeld wohnen bleiben kann. Sollte aus irgendwelchen Gründen ein Umzug zwingend notwendig sein, muss der neue Lebensmittelpunkt zumindest in räumlicher Nähe sein. Die technische Unterstützung wird sich erheblich weiterentwickeln und damit zu einer höheren Lebensqualität im Alter auch und besonders für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen beitragen.

Welche Weichen stellen Sie beim LWL, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsames Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld in den Dörfern und Städten Westfalen-Lippes zu ermöglichen?

Um das zu erreichen, haben wir jetzt ein zweites Bauprogramm auf den Weg gebracht, mit dessen Hilfe ganz besonders Wohn- und Hausgemeinschaftsprojekte in bestehenden oder sich entwickelnden Wohnquartieren realisiert werden sollen. Ich sehe den LWL sozusagen als „Brutkasten“ für neue Ideen an. Ich bin davon überzeugt, dass es möglich ist, Wohnungen für Menschen mit einem besonderen Hilfebedarf technisch so auszustatten, dass sie darin selbstständig leben können. Diese neuen Konzepte können auch zeigen, ob es möglich ist, auf andere als professionelle Hilfestrukturen zurückzugreifen. Daraus müssen wir lernen und andere zur Nachahmung ermuntern.

Was müsste sich in der Gesellschaft weiterentwickeln, damit Menschen mit und ohne Behinderungen auch im Alter generationsübergreifend zusammenleben können?

Es muss selbstverständlicher werden, dass bei der Entwicklung neuer Wohnquartiere die Bedürfnisse von jungen und alten Menschen mit und ohne Hilfebedarf einfließen. Das betrifft die Planung – aber ebenso notwendig ist es, die ambulanten Wohnangebote weiter voranzutreiben, um mehr Menschen mit höheren und sich wegen des Alters auch ändernden Hilfebedarfen das Wohnen in den eigenen Räumlichkeiten zu ermöglichen. Das bedeutet auch, dass Menschen mit Behinderungen im Alter die gleiche finanzielle Hilfe zur Pflege wie Menschen ohne Behinderungen erhalten müssen.